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Bargeld-Tracking: Überwachung an der Ladenkasse

Behörden und Unternehmen arbeiten daran, auch Barzahlungen rückverfolgbar zu machen. Die Seriennummern auf Banknoten ermöglichen dies. Wie ist der Stand der Technik und der praktischen Umsetzung?

HAKON VON HOLST, 8. September 2025, 7 Kommentare, PDF

Anonymes Bezahlen wird schwieriger. Ab Juli 2027 dürfen anonyme Geldkarten nicht mehr wiederaufladbar sein (1). Das Maximalguthaben beträgt 150 Euro. Finanzunternehmen, die solche Karten ausgeben, sind verpflichtet, die Transaktionen zu beobachten und ungewöhnliche Nutzungsmuster den Behörden zu melden. Den Kreis der Geschäfte, in denen das Zahlungsmittel Akzeptanz besitzt, müssen die Unternehmen von Gesetzes wegen eingrenzen. Die Regeln kommen von europäischer Ebene.

Auch das Barzahlen wird vielerorts erschwert. Die Deutsche Bahn peilte schon vor Jahren den Ausstieg aus dem Automatenverkauf an. Inzwischen bleibt Barzahlern nur der Weg ins Reisezentrum, um Sparpreisangebote zu erwerben. Personalisierte elektronische Tickets und digitale Fahrscheinkontrollen verraten den Aufenthaltsort der Bürger. Im Nahverkehr geht die Entwicklung in die gleiche Richtung: Verkehrsverbünde bewerben anonyme Guthabenkarten als Bargeldersatz. Doch bei ihrer Nutzung entsteht ein Muster: Wer zu wiederkehrenden Zeiten mit derselben Kartennummer eine bestimmte Strecke fährt, ist kein Niemand mehr. Ein Abgleich mit Mobilfunkstandortdaten kann genügen, den Schleier der Anonymität zu lüften.

Diese Einschränkung gilt auch bei anonymen Kreditkarten. Wer regelmäßig und überall damit bezahlt, erschafft eine wiedererkennbare Einkäuferidentität. Nach dem Umstieg auf eine andere anonyme Karte kann das alte Nutzungsmuster mit dem neuen verknüpft werden. Krypto-Kreditkarten ermöglichen etwa Bitcoin-Nutzern, an der Ladenkasse über das Netzwerk von Mastercard oder Visa zu bezahlen. Einige dieser Karten-Angebote sind ohne Angabe von persönlichen Daten erhältlich. Allerdings handelt es sich um online zu erwerbende virtuelle Karten. An der Ladenkasse muss dann mit dem Smartphone bezahlt werden. Die Anbieter der Karten besitzen Verträge mit Visa oder Mastercard beziehungsweise deren Partnern und sind an die Geldwäschegesetze gebunden. Darum erfassen sie unbemerkt Daten: zum Beispiel über das verwendete Smartphone. Hier entstehen eindeutige Spuren. Zudem gelingt es nicht jedermann, anonym in den Besitz von Bitcoins und somit anonym in den Besitz der Karte zu kommen. Dieser kleine Kreis technisch versierter Menschen ist dann ein interessantes und leicht zu verfolgendes Beobachtungsobjekt.

Anonym zahlen als Bedingung politischer Freiheit

Das wesentliche Merkmal eines zentral überwachbaren Zahlungssystems ist, dass niemand daran teilnehmen kann, dem der Staat oder die Wirtschaft das versagt. Es wird eine Zugangskontrolle etabliert – für jegliche finanzielle Transaktion, von der Spende bis zum Lebensmitteleinkauf.

Oppositionelle oder politisch Verfolgte bezahlen daher im Alltag oft bar, so Julian Assange während seiner Zeit in London, der Querdenken-Gründer Michael Ballweg oder Studenten in Hongkong auf dem Weg zu Protestversammlungen gegen Auslieferungen nach China. Der New-York-Times-Journalist James Risen weigerte sich, die Identität seiner Informanten preiszugeben. Um herauszufinden, welcher Geheimdienstmitarbeiter sich ihm anvertraut hatte, studierte die Staatsanwaltschaft auch seine Kreditkarten- und Kontobuchungen.

Edward Snowden erhielt in Russland Asyl und zahlt dort im Alltag mit Bargeld. Als er die Flucht aus Amerika antrat, bezahlte er seine Flugtickets bar. Zuvor hob er eine größere Menge Bargeld ab und versteckte es bei seiner Lebensgefährtin Lindsay, damit sie sich durchschlagen und „die Regierung es nicht beschlagnahmen konnte“. Auch der Flüchtlingsfamilie, die ihn tagelang bei sich in Hongkong versteckt hielt, machte er ein Bargeldgeschenk, wie Snowden in seiner Autobiografie „Permanent Record“ berichtet.

Erst vor wenigen Monaten verhängte die Europäische Union Sanktionen gegen den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru mit dem Vorwurf, die Hamas medial zu unterstützen und Verbindungen zu russischen Staatsmedien zu besitzen. Laut Sanktionsbeschluss ist Dogru türkischer Staatsbürger. Doch nach Informationen der „Jungen Welt“ lebt er in der Bundesrepublik und besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Als sanktionierte Person darf ihm niemand mehr „wirtschaftliche Vorteile“ zugute kommen lassen, zitiert die Zeitung ein Bundesministerium. Seine Bankkonten wurden gesperrt. Dogru: „Die Bankkarten funktionieren nicht mehr, dann stehst du ohne Bargeld da.“

Oppositionelle Medien und Journalisten sind immer öfter von Kontokündigungen betroffen. Das Gesetz sieht nur für Privatpersonen ein Recht auf ein Girokonto vor. Unterdessen werden die Behörden von den Banken mit Geldwäscheverdachtsmeldungen überschwemmt. Einige Geldinstitute sperren in solchen Fällen das ganze Konto. Unvorbereitete Unternehmen büßen vorübergehend ihre Zahlungsfähigkeit ein.

Bargeld rückverfolgbar machen

Doch einige Akteure in Staat und Wirtschaft wollen nun auch Bargeld rückverfolgbar machen. Der Journalist Martin Schwarzbeck hat dazu ausführlich recherchiert. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er Anfang Juli auf Netzpolitik.org. Wie funktioniert die Überwachung des Bargelds?

Am Anfang steht der Geldautomat: Er wird von Geldtransportunternehmen betreut. Jede Banknote besitzt eine individuelle Seriennummer – und die lässt sich erfassen und mit dem Kartenkonto des Automatennutzers verknüpfen. Wenn Kriminelle einen Geldautomaten ausrauben, beobachten Ermittler, wo die gestohlenen Scheine wieder auftauchen. In einigen Fällen konnten die Täter durch das Nachverfolgen der Seriennummern gefasst werden.

In Deutschland stieg die Zahl der Bankautomatensprengungen in den vergangenen Jahren, während sie in den Niederlanden zurückging. Von dort stammt auch der Hauptanteil der Tatverdächtigen. Zuvor hatten die niederländischen Banken ihre Automaten aufgerüstet. Denn wenn bei einer Sprengung der Geldbestand in Sekunden zu einem Klebstoffwürfel verschmilzt, ist für Kriminelle wenig zu holen.

Die Nachverfolgung der Seriennummern birgt aber auch Überwachungspotenzial. Schon wenn die Reihenfolge der Scheine in der Automaten-Geldkassette bekannt ist, kann Rückschluss auf den neuen Besitzer gezogen werden. Automaten schreiben jedenfalls Logeinträge und protokollieren zu jedem Zeitpunkt den Bestand der verschiedenen Banknoten-Stückelungen, um beispielsweise Beschwerden aufklären zu können, wenn der Automat zu wenig Geld ausgespuckt oder der Kunde das Geld nicht rechtzeitig aus dem Schacht gezogen hat.

In welchem Umfang Banken Daten darüber zusammenführen, welchen Kunden welche Banknoten mit welchen Seriennummern ausgezahlt wurden, konnte Schwarzbeck nicht herausfinden. Um die Folgen abzuschätzen, lohnt sich ein Gedankenexperiment unter der Annahme, dass die Technik zum Einsatz käme und eine deutsche NSA die Logdaten mitläse:

Marta Mustermann hebt 150 Euro ab. Vom Automat bekommt sie drei Fünfziger. Sie geht auf den Wochenmarkt und kauft für 50 Euro ein – zuerst bei einem Bauern aus der Region. Der ergänzt sein Angebot regelmäßig durch fremde Erzeugnisse. Seine Lieferanten bezahlt er bar – und so landet der 50-Euro-Schein bei einem zweiten Landwirt. Marta Mustermann geht noch beim Änderungsschneider vorbei. Diesmal bleiben zwei 50-Euro-Scheine liegen. Der Inhaber hat die Bareinzahlungsgebühren bei der Volksbank satt. Darum zahlt er nicht mehr alle Einnahmen auf das Firmenkonto ein, um dann einen Teil des Einkommens auf das Privatkonto umzuleiten. Stattdessen entnimmt er verbuchte Bareinnahmen aus dem Betrieb und zahlt selbst im Alltag bar.

In diesem Beispiel hätte die NSA keine Möglichkeit gehabt, Marta Mustermann anhand ihrer Zahlungen zu verfolgen. Doch wie ergeht es ihrem Bruder Max Mustermann? Ihn führt das Geld auf geradem Wege in den Supermarkt. Nach Ende der Kassenschicht landen Max’ Banknoten in einem Einzahltresor. Dieser ist an das Internet angeschlossen und übermittelt alle Daten an eine Bank – aus Gründen des Versicherungsschutzes und zur Aufklärung möglicher Raubüberfälle auch die Seriennummern. Das Geld wird kurz darauf dem Firmenkonto gutgeschrieben. Drei Tage später kommt ein Geldtransporter und bringt die Einnahmen in ein Bargeld-Zentrum. Dort werden die Seriennummern erneut erfasst.

In diesem Fall läge der Verdacht nahe, dass Max in einem bestimmten Zeitraum im Supermarkt war. Wenn Max über einen langen Zeitraum in demselben Supermarkt einkauft, jedes Mal mit bankfrischem Geld, ließen sich Wahrscheinlichkeiten errechnen, welcher Warenkorb zu Max gehört. Wenn Max aber kein systematischer Einkäufer ist, sondern nur einzelne Produkte erwirbt nach Bauchgefühl, wird es schwer.

In den meisten Fällen gibt es keinen Einzahltresor in den Hinterzimmern der Geschäfte. Mitunter leert der Kassierer das Geld nach Schichtende in eine Zähl- und Sortiermaschine und die Erfassung von Seriennummern findet in einem zweitägigen Rhythmus im Bargeld-Zentrum eines Geldtransportunternehmens statt. An einigen Kassen aber werden Cash-Recycler eingesetzt. Dann zieht der Kassierer die Waren über das Band, das Bargeld jedoch nimmt ein Automat entgegen. Wenn solche Geräte mit Seriennummernerfassung ausgestattet würden, entstünde ein großes Datenschutzproblem. Allerdings kosten die Geräte tausende Euro und bleiben damit für den flächendeckenden Einsatz unattraktiv – es sei denn, dass im gleichen Zuge auch die Arbeit des Kassierers ersetzt wird, wie es bei einer Selbstbedienungskasse der Fall ist.

Eine Geldzählmaschine im Büro der Supermärkte, die automatisch Seriennummern ins Internet sendet, ist kein Standard. Aber Interessenten gibt es. Schwarzbeck zitiert an diesem Punkt Gerrit Stehle, Geschäftsführer der Elephant & Castle IP GmbH. Bereits jetzt erhalte das Unternehmen von einem der Geldtransportunternehmen aktuelle Daten zu erfassten Seriennummern. Ihr Wissen und ihre Expertise biete die Elephant & Castle IP GmbH gegen Bezahlung der Staatsanwaltschaft an – und die greift gerne zu. Somit besteht in der Wirtschaft ein finanzielles Interesse an der Datensammlung.

Stehle warb schon 2019 für die Idee, an jeder Kasse ein neuartiges Gerät aufzustellen, damit Banknoten nicht nur auf Echtheit geprüft werden, sondern auch ein Abgleich der Seriennummern mit einer Polizeidatenbank stattfindet. Ein Fürsprecher der Banknoten-Nachverfolgung ist denn auch Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Polizei-Gewerkschaft im Bereich Zoll. Er weiß: „Banken und auch Geldkurierdienste erfassen die Nummern der Geldscheine und deren zeitlich-örtliche Zuordnung.“ Es sei hilfreich, „wenn diese Daten zusammengeführt und den Polizei- und Zollbehörden verfügbar gemacht würden“.

Die Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Marit Hansen, erklärt auf Netzpolitik.org: „Wenn Seriennummern mit Zeit und Ort der Erfassung gespeichert und diese Daten immer granularer gesammelt werden, verliert man die Anonymität des Bargelds.“ Die Seriennummern vergleicht sie mit unsichtbaren Wasserzeichen auf Farbausdrucken. Diese verraten die Geräte-ID des Druckers und das Datum des Ausdrucks. Ermittler können darauf zurückgreifen, etwa auch um Whistleblowern auf die Spur zu kommen. Der Linken-Politiker Luke Hoß warnt auf Netzpolitik.org vor der Banknoten-Überwachung als Unterdrückungsmittel, wenn autoritäre Kräfte die Macht übernehmen.

In anderen Ländern macht der Staat bereits Vorgaben bei der Banknoten-Überwachung. Eine Richtlinie der Zentralbank von China weist Banken an, die Seriennummern von Geldscheinen am Schalter und am Automaten zu erfassen, zentral in einem Informationsabfragesystem zu sammeln und für mindestens drei Monate aufzubewahren. Die südafrikanische Zentralbank sammelt Daten von Geldautomaten in einer Datenbank. Die Seriennummern von gestohlenem Bargeld würden dort entsprechend markiert, wie eine Nationalbankmitarbeiterin auf einer internationalen Tagung 2024 erklärte (2).

Anonymität von Bargeld hängt auch an Nutzungsintensität

Gerrit Stehle wirbt für ein spezielles Prüfgerät an der Ladenkasse. Damit ließen sich die Seriennummern der vom Kunden überreichten Banknoten an eine zentrale Instanz übermitteln. Sollte dieses System zum Einsatz kommen, wird es schwieriger, anonym mit Banknoten zu bezahlen. Allerdings hieße das noch nicht, dass sich ein Bürger nur mit dem Wohlwollen eines fremden Akteurs etwas von seinem Bargeld kaufen könnte. Denn bei einem großen Teil der Zahlungen bleibt der Banknoten-Besitzerwechsel undokumentiert – etwa wenn ein Kunde vom Kassierer Scheine als Rückgeld aus der Kasse erhält, bei Einkäufen auf dem Wochenmarkt oder bei der Annahme eines Bargeldgeschenks.

Doch die Anonymität des Bargelds wird durch eine weitere Entwicklung gefährdet. Wenn Bargeld kaum Verwendung findet, sticht jeder Barzahler aus der Masse heraus. Die geringen Bargeldbewegungen in der Gesellschaft könnten sehr viel leichter einzelnen Personen zugeordnet werden, wenn Geldautomaten und Geldtransportunternehmen Seriennummern erfassen.

Mit einem starken Rückgang in der Bargeldnutzung ist zu rechnen, wenn Unternehmen dazu übergehen, Bargeld abzulehnen, und wenn Banken weiterhin Filialen und Geldautomaten abbauen. Ein Zahlungsmittel, das nur an wenigen Orten Akzeptanz besitzt, ist unbeliebt. Die Zulieferer des Standbetreibers auf dem Wochenmarkt würden es ablehnen. Auch der Änderungsschneider müsste deutlich mehr Einnahmen auf das Firmenkonto einzahlen.

Und in diese Richtung geht es. Zwischen 2019 und 2024 verschwand in Deutschland jede dritte Bankzweigstelle. Nach jüngsten Daten der Deutschen Bundesbank hat sich das Sterben beschleunigt: 2023 schlossen fünf Prozent der Filialen, 2024 acht Prozent. Kleinere Einzelhändler bringen ihre Münz- und Papiergeld-Einnahmen selbst auf die Bank und beauftragen kein Transportunternehmen. Im vergangenen Jahr sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Handelsverbands, Stefan Genth, der Umgang mit Bargeld werde für die Unternehmen zunehmend kostenintensiver. Wenn „immer mehr Bankfilialen schließen, droht der Bargeldkreislauf zusammenzubrechen“, so Genth.

Die derzeit im Bundestag vertretenen Parteien brachten in den vergangenen Jahren keine Anträge ein, die Akzeptanz von Bargeld verpflichtend zu machen oder die Banken zum Unterhalt von Geldautomaten und Bankfilialen in einem bestimmten Mindestumfang zu verpflichten. Und auf EU-Ebene liegt es einzig in der Hand der EU-Kommission, Verordnungsvorschläge einzubringen. 2023 schlug die Kommission eine Verordnung zur Einführung des staatlichen Digitalen Euros vor – sowie eine Verordnung zum Schutz der Akzeptanz und Verfügbarkeit von Bargeld. Die Schwierigkeiten des Einzelhandels, Bargeld zur Bank zurückzuführen, werden darin nicht adressiert. Generell werden die Banken durch die Verordnung nicht verpflichtet, gemeinsam ein Bargeld-Angebot über Automaten und Filialen aufrechtzuerhalten. Vielmehr wäre es Aufgabe der EU-Mitgliedsländer, die Lage zu bewerten und einer Unterversorgung durch Gegenmaßnahmen zu begegnen. Doch die Schwelle zwischen ausreichender Versorgung und Unterversorgung bleibt in der Verordnung undefiniert.

Verbesserungen können die Euro-Länder im EU-Ministerrat mit qualifizierter Mehrheit beschließen. Einem internen Fortschrittsbericht zufolge spielt die Verfügbarkeit von Bargeld in den Verhandlungen derzeit keine nennenswerte Rolle. Die Beratungen im EU-Parlament stehen allerdings noch aus.

Medial spielt die geplante Bargeld-Verordnung derweil keine Rolle. Und in der Wirtschaft besteht wenig Interesse am Schutz des Bargelds. Wenn die Verhandlungen außerhalb der Wahrnehmung der Öffentlichkeit ablaufen, können Lobbygruppen ihren Einfluss stärker geltend machen. An der Ladenkasse kommt es für den Erhalt anonymer Zahlungsmittel insbesondere auf die Entscheidung des Bürgers an. Selbstbedienungskassen und bargeldlose Geschäfte können gemieden werden. Wer von einer Freiheit Gebrauch macht, trägt zu ihrem Fortbestand bei.

Insbesondere zwei Entwicklungen gefährden die Anonymität des Bargelds: Zum einen das Aufkommen von Selbstbedienungsläden, SB-Kassen und Kassenautomaten – mit der Möglichkeit, Banknoten und ihre Seriennummern einzelnen Einkaufskörben zuzuordnen. Zum anderen die zurückgehende Akzeptanz von Bargeld in vielen Bereichen des Lebens, das Sterben der Bankfilialen und Geldautomaten und der kleiner werdende Nutzerkreis. Weil beide Entwicklungen schleichend Einzug halten, besteht das Risiko, dass sie unbemerkt bleiben und somit Realität werden.

Über den Autor: Hakon von Holst, Jahrgang 1999, recherchiert seit 2019 zur Verdrängung des Bargelds. 2022–23 studierte er an der Freien Akademie für Medien & Journalismus. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählen neben der Finanzwirtschaft die Agrarpolitik und Umweltthemen. Er veröffentlichte bislang unter anderem in der Berliner Zeitung, der Neuen Osnabrücker Zeitung, dem Overton-Magazin, den NachDenkSeiten, bei Manova und auf dem Blog von Norbert Häring. Holst ist Co-Initiator einer Petition für den Schutz der Akzeptanz und Verfügbarkeit des Bargelds auf EU-Ebene mit 230.000 Unterschriften. Sein in diesem Jahr erschienenes Buch „Krieg gegen das Bargeld“ ist ein Spiegel-Bestseller.

Anmerkungen

(1) Siehe Artikel 19 Absatz 7 in der neuen EU-Geldwäsche-Verordnung: eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT. Bisherige Regelung zu finden unter Artikel 12 in eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT.

(2) Pearl Kgalegi spricht dazu ab Minute 14 unter vimeo.com/951918870.

GUTEN MUTES, 8. September 2025, 18:50 UHR

Wieder ein toll recherchierter Artikel, der das Ganze so schön plastisch macht. Am besten, wir zahlen so oft wie möglich in bar, umgehen SB Kassen und Automaten, nutzen eigene Gefährte und unterschreiben diese Petition! Der manchmal schwierigste Schritt ist es vielleicht, andere zu motivieren, das Gleiche zu tun.

Wenn Du denkst, Du seist zu klein, um irgendetwas zu bewirken, denke an die Mücke in deinem Schlafzimmer! (Dalai L.)

SE, 10. September 2025, 15:40 UHR

Wie auch zum vergangenen HvH Artikel gesagt werden musste: Bargeld ist KEINE Freiheit!

Kann auch niemals welche werden, WEIL das Wort bereits falsch ist: Bargeld ist Währung, kein Geld. WEIL Währung niemals geschaffen wurde, um irgendwem Freiheit zu bringen, sondern ganz im Gegenteil: stehts zum Ziel hatte und hat, absolute Kontrolle über das gesamte Wirtschaften auszuüben.

Sie, Herr Hakon von Holst, interessiert das freilich alles nicht. Sie reden die Leute weiter in falsche Glauben - einfach weil Sie sich darauf spezialisiert haben. Eine Lösung haben Sie entsprechend freilich nicht. Aber das wird nicht gesehen und kann auch gar nicht diskutiert werden vor lauter Glaubensdogma.

MICH LAUST DER AFFE, 24. September 2025, 11:30 UHR

@SE,
Da Sie wie schon in ihren Kommentaren zum vorletzten HvH-Artikel fortfahren, mit beleglosen Behauptungen, die sie wie gesicherte Tatsachen präsentieren, an den gut recherchierten Artikeln von Herrn von Holst herumzunörgeln, erlaube ich mir meine Kritik daran zu erneuern. Zumal diese ohnehin kaum jemand mehr gelesen haben dürfte, da ich meinen Kommentar mit großer zeitlicher Verzögerung geschrieben hatte:

"Da ich mich auf einer längeren Reise befinde und mein einzig mitgeführtes Digitalgerät mein Smartphone ist, auf dem zu tippen mich große Überwindung kostet nur kurz: ihren arroganten Umgangston empfinde ich als absolut unangemessen. Ihre Aussagen zum Thema Geld belegen ein ums andere mal, dass sie (noch) nicht verstanden haben, was das ist.

Ihren Eifer bei der Bewerbung von als Geld vollkommen ungeeigneten Cryptos erkenne ich als den Eifer eines bereits in einem Pyramidensystem Investierten neue Einzahler zu werben, um das Ding am Laufen zu halten und seinen unvermeidlichen Kollaps auf die lange Bank zu schieben. Deshalb ihre aggressiven Projektionen auf Herrn von Holst, der ihnen da mit besseren Argumenten in die Quere kommt."

Damit ihre Behauptung, Bargeld könne niemals Freiheit sein nicht gar so sehr im luftleeren Raum schwebt: könnten Sie bitte unbedarften Leuten wie mir erklären, wie durch Bargeld die absolute Kontrolle über das gesamte Wirtschaften erreicht wird? Die Freiheit, die Sie sich vorstellen, hat wohl eher mit den feuchten Träumen von Spekulanten zu tun, die wertlosen Plunder, den sie mal für ein paar Dollar erworben haben, gerne für einen sechs- bis siebenstelligen Dollarbetrag an Idioten weiterverkaufen würden, die auf die den wertlosen Plunder begleitende Propaganda hereinfallen.

SE, 5. Oktober 2025, 17:15 UHR

@MICH LAUST DER AFFE

Ich lese das jetzt erst. Ist auch egal, weil die Antwort auf Ihre Frage steckt in wahrscheinlich JEDER meiner Anschriften gegen das Bargeld-Dogma, somit auch in jeder gegen deren Dogmatisten, wie Hakon von Holst. In einem Satz formuliert: Bargeld ist Zentralbankgeld. Sie müssen allerdings die Implikationen und Konsequenzen erkennen WOLLEN, um den Satz zu verstehen.

Wer oder was kann denn absoluter kontrollieren als eine Zentrale?! Die freien (!) Cryptos sind das Gegenteil eines Zentralgeldes, also Dezentralgeld. Wenn Sie das mit einem Pyramidensystem vergleichen, haben Sie nichts kapiert. Dazu müssten Sie schon Meinung beiseite legen und die technische Umsetzung verstehen.... was Sie offenbar nicht tun. Genauso wenig wie ein Hakon von Holst das mit der Bargeld-Technologie tut. Dann würde ihm auffallen, Unfug zu predigen.

Hier ein Buch, das ich kenne: https://github.com/lnbook/lnbook
Sehr technisch, aber das macht eben das Problem der Umsetzung klar. Gibt viel mehr Literatur, Leute wie den Blocktrainer und am Ende führt wohl nur Selbstversuch zu Erkenntnis .... (bei mir jedenfalls)

HELENE BELLIS, 6. Oktober 2025, 14:10 UHR

@SE

Eigentlich hatte ich schon vor längerer Zeit beschlossen, auf Ihre Kommentare nicht mehr zu reagieren, weil sie oft unhöflich, in jedem Fall aber extremst verbohrt daherkommen und – zumindest was mich betrifft – die Diskussion unter den multipolar-Texten leider oft genug abwürgen. Aber dieses eine Mal sage ich doch noch etwas dazu:

Was ist bitteschön frei an Kryptowährungen, deren Nutzung zum einen von einer gewissen Energiezufuhr und auf jeden Fall von einem funktionierenden Internet abhängig ist? Und wie viele Lebensmittel kann ich mir als Normalsterblicher davon nochmal kaufen? Genau. Aber das kommt davon, wenn man zwar anderen Dogmatismus vorwirft, selber aber so dogmatisch ist, daß man nicht einmal weiß, daß es »Dogmatiker« heißt.

Auch wenn ich mir also sicher bin, daß Sie das nicht interessiert: es kann ausgesprochen hilfreich sein, die eigenen Kommentare nicht nur grammatikalisch, sondern auch inhaltlich vor dem Absenden noch einmal gründlich auf ihre Diskussionswürdigkeit zu untersuchen.

Und das war's von mir. Was Sie angeht, bin ich raus.

MICH LAUST DER AFFE, 6. Oktober 2025, 15:40 UHR

@SE

„Bargeld ist Zentralbankgeld.”

Na und? Es gibt Pros und Contras für zentrale und dezentrale Ansätze. Aber ich will Ihnen keine inhaltliche Diskussion aufdrängen. Ihr Duktus signalisiert, dass Sie daran nicht interessiert sind.

Ich stelle fest, dass Sie die Frage nicht beantworten können, wie die absolute Kontrolle über das gesamte Wirtschaften bei Bargeld funktioniert. Unabhängig davon, ob zentral oder dezentral: Geld ist Platzhalter für erbrachte Leistung der Marktteilnehmer. Um im geeigneten Moment damit die Früchte anderer Leistungsträger erwerben zu können. Das ist ein impliziter Gesellschaftsvertrag. Das meine ich, wenn ich Ihnen vorwerfe, dass Sie (noch) nicht kapiert haben, was Geld ist. Welche Leistung haben die Halter von Bitcoins erbracht, die deren aktuelle Kaufkraft realistisch widerspiegelt? Die Antwort: das ist das Ergebnis der Gesetzmäßigkeit eines propagandagetriebenen Ponzisystems.

„Wenn Sie das mit einem Pyramidensystem vergleichen, haben Sie nichts kapiert.“

Ich denke, das Verständnisproblem liegt auf Ihrer Seite. Ein Pyramidensystem ist dadurch charakterisiert, dass es ein begrenztes Angebot an einer Sache gibt und es durch Propaganda oder Betrug gelingt, eine gigantische Nachfrage hierfür zu erzeugen. Das Ding muss jetzt unbedingt jeder haben. Und aufgrund des begrenzten Angebots geht das natürlich nur über den Preis. Die Urheber und frühen Trittbrettfahrer reiben sich die Hände. Pyramidensysteme fliegen auf, wenn offensichtlich wird, dass die mit dem Angebot verknüpften Erwartungen (Propagandavariante) oder realen Vorteile (meist Renditen, Betrugsvariante) nicht erfüllbar sind. Die Propagandavariante Bitcoin ist so erfolgreich, weil der Offenbarungseid beliebig in die Zukunft verschoben werden kann, so lange neue Naivlinge auf die Versprechungen hereinfallen und der Gesetzgeber dem Spielchen kein Ende bereitet.

Da leider auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis bei einigen Leuten die Gier das Denkvermögen ausgeschaltet hat, habe ich mich vor einiger Zeit genötigt gesehen, deren Nachdenkvermögen etwas anzuregen. Hier ein kurzer Auszug dessen:

„Mir ist inzwischen klar geworden, dass es sich nicht nur um ein gigantisches Ponzisystem handelt. Das wäre gesamtgesellschaftlich gesehen nicht so tragisch. Mir ist inzwischen auch klar geworden, wie schädlich es gesamtgesellschaftlich gesehen ist. Und dabei rede ich nicht von einer eventuell in ferner Zukunft wirkenden Schädlichkeit. Sondern von dem gesellschaftlichen Schaden, den es aktuell in diesem Moment anrichtet. Es verlängert die Lebensdauer unseres gegenwärtigen missbräuchlich gestalteten Geldsystems, indem es eine wichtige Funktion für dessen Fortbestehen übernimmt. Der Wahnsinn, mit dem jetzt aufgerüstet wird, wird durch Bitcoin unterstützt, da es wie ein Schwamm dieses ganze überschüssige Geld aufsaugt, das dabei in Umlauf kommt. Und so dafür sorgt, dass es nicht sofort zu gigantischer Inflation kommt und die Leute deswegen schon aus reiner Not auf die Straße gehen um dagegen zu demonstrieren. So kann der Rüstungswahnsinn noch lange fortgeführt werden, was ohne so einen Inflationsabsaugschwamm kaum möglich wäre.

Hast du dich noch nie gefragt, warum die System"eliten“ nicht gegen die Verfechter von Bitcoin vorgehen? So wie gegen „Impf“gegner, und sie stattdessen in aller Ruhe gewähren lassen? Es sogar effektiv unterstützen, indem sie ETFs auf Bitcoin einführen. Das war natürlich ein unglaublicher Booster für Bitcoin. Denn das erlaubt den Big Guys, ordentlich durch Bitcoinkursschwankungen zu verdienen, die sie selbst durch Käufe und Verkäufe aus der Portokasse erzeugen. Glaubst du, sie sind plötzlich nicht mehr imstande zu bemerken, wodurch ihr Schweinesystem gefährdet wird? Solltest du mal drüber nachdenken. Ich halte es auch für ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand anders als ein Geheimdienst imstande ist, Anonymität über so einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten, wie es dem Erfinder von Bitcoin gelungen ist. Ich weiß: Verschwörungstheorie pur! Ganz böse!"

MICH LAUST DER AFFE, 6. Oktober 2025, 21:55 UHR

@Helene Bellis

Ich sehe es ähnlich wie Sie. Es ist nicht sehr erbaulich, mit Leuten zu diskutieren, die sich ohne Hintergrundwissen unhöflich belehrend wie Oberlehrer aufführen und jeder inhaltlichen Auseinandersetzung aus dem Weg gehen. Mit dem Hinweis auf irgendwelche Literatur – eigene Argumente leider Fehlanzeige – die man gefälligst erst mal zu lesen habe, bevor man mitreden könne. Auch wenn es nicht viel Spaß macht, ist doch schon was erreicht, wenn man aufzeigt, dass solche Leute außer über Schlagworte mit vermeintlichem Allgemeingültigkeitsanspruch über keinerlei Argumente zur Stützung ihrer ideologischen Verbohrtheit verfügen.

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