Harald Neuber | Bild: Anke Illing / Heise Gruppe / CC-BY-SA 3.0 (DE)

Welcher Journalismus hat Zukunft?

Telepolis-Chefredakteur Harald Neuber hat Multipolar und andere oppositionelle Medien in einem Artikel scharf kritisiert. Eine Replik.

PAUL SCHREYER, 15. August 2025, 14 Kommentare, PDF

Der Text, der als Telepolis-Leitartikel am 13. August erschien, fährt rhetorisch schweres Geschütz auf: Macher und Leser von oppositionellen Medien wie Multipolar würden eine „antiaufklärerische Symbiose“ bilden, hätten sich „eine eigene Realität geschaffen, in der sie die einzigen Wahrheitsverkünder sind und alle anderen Teil einer großen Täuschung“. Berechtigte Kritik würden sie „durch ihre Radikalisierung diskreditieren“. Alles in allem schrieben Multipolar und andere nur für die eigene kleine Filterblase, hätten deshalb keinen gesellschaftlichen Einfluss und würden „auf gesellschaftliche Wirkmacht verzichten“.

Bei Telepolis sei das anders. Das Magazin halte unter seiner, Neubers, Führung die journalistischen Standards hoch, in seinen Worten eine „Neuausrichtung“, verglichen mit der Zeit unter seinem Vorgänger, dem Telepolis-Gründer Florian Rötzer, von dem er die Leitung des im Heise-Verlag erscheinenden Magazins 2021 übernommen hatte. Telepolis sei jetzt eine „verlässliche Quelle“ geworden, halte sich „an überprüfbare Standards“ und werde daher „ernst genommen“. Multipolar und andere oppositionelle Medien hingegen hätten sich „für einen anderen Weg entschieden“.

Das ist eine ganze Menge an Vorwürfen – und auch eine ganze Menge Eigenlob. Woher dieser Rundumschlag auf einmal, im Sommer 2025? Klar ist: Es gibt eine Vorgeschichte zu diesem Text. Das ist keine direkt persönliche Vorgeschichte, da weder ich oder mein Herausgeberkollege Stefan Korinth den Telepolis-Chefredakteur persönlich kennen. Jedoch hat Multipolar in mehreren Meldungen, zuletzt zwei Mal im Juli dieses Jahres über Neubers radikalen und in der Branche beispiellosen Kurs berichtet, sich von allen Texten, die unter seinem Vorgänger Florian Rötzer publiziert wurden – 70.000 an der Zahl –, pauschal zu distanzieren und den Zugang zu diesen zeitweise sogar vollständig zu sperren. Multipolar war eines der wenigen Medien, die diese Vorgänge kritisch beleuchtet haben.

Telepolis als journalistische Heimat

Zu dieser Berichterstattung unseres Magazins gibt es seinerseits eine Vorgeschichte – und die ist dann doch auch eine persönliche. Kurz gesagt: Telepolis war einmal meine journalistische Heimat, ein ganzes Jahrzehnt lang, bis 2019. Auch mein Kollege Stefan Korinth hat dort viel publiziert, bevor wir gemeinsam mit Ulrich Teusch 2020 Multipolar gründeten.

Ich selbst war als Schreiber noch so gut wie nirgends in Erscheinung getreten, als der damalige Chefredakteur Florian Rötzer im Jahr 2008 einen Artikel von mir veröffentlichte. Das Thema damals: Geopolitik und mediale Doppelmoral. Ich war ein Neuling in der Branche, hatte nichts vorzuweisen, keine Artikel, keine Bücher, keine akademische Ausbildung, keine Zeitungserfahrung. Für Rötzer war das nicht ausschlaggebend. Er fand den Text lesenswert und veröffentlichte ihn.

Das Magazin bot unter seiner Leitung immer wieder Quereinsteigern, Neulingen und unbekannten Stimmen ein Forum – ungewöhnlich zu der Zeit in der Branche. Die Perspektive war breit, das Magazin eine Fundgrube, spannend zu lesen, vielseitig und vor allem eines: unangepasst. Dafür wurde es von seinen Lesern geschätzt. Was die Autoren darüber hinaus schätzten, war die liberale, freigeistige Haltung der Chefredaktion. Ich selbst kann mich an keinen Fall in zehn Jahren Arbeit erinnern, bei dem mir seitens der Redaktion in einen Text hineingeredet wurde. Das ist zweischneidig, da ein Diskussionsprozess zwischen Autor und Redaktion vor Veröffentlichung – bei Multipolar gibt es diesen – einen Text einerseits verbessern kann, andererseits aber auch die Möglichkeit zur Zensur von Unliebsamem eröffnet. Beim alten Telepolis gab es nichts davon. Die Vielfalt der Meinungen, die Freiheit des Schreibens, die volle Unabhängigkeit der Autoren waren ausdrücklich erwünscht. Auch scharfe Kritik an meinen Texten erschien dort. Das Magazin war 25 Jahre lang ein ungewöhnlich offenes Debattenforum.

Selbst entdeckt hatte ich es 2001 durch eine Artikelreihe zu 9/11 von Mathias Bröckers, die damals Hunderttausende lasen und in der die vorherrschende Sicht gründlich und faktenbasiert gegen den Strich gebürstet wurde. Nach Start von Bröckers´ Artikelreihe verdoppelten sich die Aufrufzahlen des Magazins. Florian Rötzer selbst sah manche der kritischen Überlegungen zu 9/11 skeptisch, ließ diese aber immer zu, versuchte nichts glattzubügeln. Telepolis bekam damals Preise, so etwa 2000 einen Europäischen Preis für Online-Journalismus in der Kategorie „Investigative Reporting“ oder 2002 den Grimme Online Award.

Das neue Telepolis

Das neue Telepolis ist anders. Und die Entscheidung Neubers, sich von den alten Texten, die sein Vorgänger als Chefredakteur verantwortete, zu distanzieren und den Zugang zu ihnen erst monatelang zu blockieren und dann aus dem Archiv des Magazins in einen extra Bereich abzusondern, macht für mich vor allem eines deutlich: Das Magazin wird auf Akzeptanz bei den Etablierten hin getrimmt, dargestellt als Rückbesinnung auf journalistische Standards, die unter seinem Vorgänger angeblich nicht ausreichend beachtet wurden.

Mich überzeugt diese Argumentation nicht. Neuber selbst bringt auch keine konkreten Beispiele, nennt keine Autoren und Artikel, bei denen denn Standards verletzt worden wären. Dazu kommt: Er selbst hatte noch unter der Leitung seines Vorgängers mehr als 1.000 Artikel bei Telepolis veröffentlicht, in dieser Zeit aber nie mangelnde Standards öffentlich beklagt. Er gehört also selbst zu eben dem alten Telepolis, von dem er sich nun distanziert.

Sein Text macht zudem deutlich, dass er Telepolis insgesamt vom Bereich der Alternativmedien – Multipolar spricht stattdessen von „oppositionellen Medien“ – distanziert und zu diesen keinesfalls gezählt werden will. Hier hat Neuber eine Wandlung vollzogen. Kurz nach Amtsübernahme 2021 hatte er in einem Interview noch unmissverständlich erklärt: „Wir verstehen uns als alternatives Medium.“ Davon scheint er mittlerweile abgerückt zu sein.

Neuber räumte zuletzt ein, er wolle nicht, dass sein Magazin „journalistisch und übrigens auch unternehmerisch mit bestimmten Autoren und bestimmten Inhalten in Verbindung gebracht wird“. Telepolis habe „schmerzlich erfahren, wie eine Redaktion in eine Echokammer abdriften kann, wenn Verschwörungstheorien überhandnehmen“. Als Redaktion habe man „daraus gelernt“ und „Konsequenzen gezogen“. Er erwähnte auch, dass es Texte mit kritischen Sichtweisen zu ganz bestimmten Themen sind, die ihn am alten Telepolis nachträglich stören: 9/11, Flüchtlingskrise, Corona. Es sind eben die Themen, bei denen ein selbstverordneter Konsens die Berichterstattung der großen Medien seit Jahren lähmt – eine Lähmung, in die sich das neue Telepolis einfügt. Dieser Wandel, diese Lähmung stimmen mich traurig, gerade wegen meiner engen Verbindung zu dem Magazin.

Trugbild des „neutralen Journalisten“

Neubers aktueller Text mit seiner Kritik an Multipolar ist eine Reaktion auf eine E-Mail von mir, die ich ihm schrieb, ausgelöst durch einen zuvor erschienen Beitrag von ihm, in dem es geheißen hatte:

„Medien wie Multipolar, Manova, Overton oder andere vergleichbare spielen in der breiten Öffentlichkeit fast keine Rolle. Das ist auf das Selbst- und Weltbild dieser Medien zurückzuführen, die für eine beschränkte Klientel publizieren. Sie predigen zu den bereits Bekehrten, bewegen sich in geschlossenen Zirkeln und verzichten damit auf gesellschaftliche Wirkmacht. Telepolis hat einen anderen Weg gewählt: Wir haben die kritische Haltung aus unserer Vergangenheit bewahrt, aber gleichzeitig erhebliche Erfolge in der redaktionellen und unternehmerischen Entwicklung erzielt.“

Ich machte ihn daraufhin auf den Widerspruch aufmerksam, einerseits zu beklagen, dass gegenwärtig die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus zunehmend verschwimme, im gleichen Atemzug aber zu erklären, dass ein Medium, das „etwas verändern will“, „nach Reichweite streben“ müsse, um „Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs zu nehmen“. Was ich damit zum Ausdruck bringen wollte, war, dass das von Neuber beworbene Ideal des „neutralen Journalisten“ meiner Ansicht nach ein Trugbild ist. Jede Chefredaktion hat eine politische Haltung und verfolgt politische Ziele – so ehrlich sollte man sein.

Neuber hingegen macht eine vermeintlich saubere Trennung auf: Hier die guten Medien, die dem Aktivismus abschwören („keine versteckten Agenden, keine ideologischen Scheuklappen, sondern professioneller Journalismus mit klaren Standards“), dort die schlechten, die offen politische Ziele verfolgen und keine Standards einhalten. Zu seiner Ablehnung von jedem Aktivismus erklärt er: „Bei Telepolis schreiben und arbeiten nur noch Personen mit, die sich streng an journalistische Regeln halten.“ Als ob damit – und das ist aus meiner Sicht die Irreführung in seiner Argumentation – die politischen Ziele einer Chefredaktion ausgelöscht würden.

Mich hat diese Irreführung – beziehungsweise dieser Selbstbetrug – geärgert, gerade auch weil er so weit verbreitet ist und viele etablierte Journalisten so reden und den Eindruck vermitteln, als könnten sie es selbst nicht besser wissen. Als wäre ihnen nicht klar, dass es den Journalismus des „neutralen Beobachters“ so nicht geben kann – sondern nur die ehrlich erklärte politische Positionierung eines Journalisten oder aber den Versuch, die eigene Agenda zu verschleiern („keine ideologischen Scheuklappen, sondern professioneller Journalismus“).

Hohe Klickzahlen: „Der Erfolg gibt uns recht“?

Mich irritiert noch anderes am neuen Telepolis, etwa der in Überschriften zur Schau getragene Stolz auf hohe Klickzahlen, verbunden mit der Einschätzung: „Der Erfolg gibt uns recht.“ Das ist mir persönlich, mit Verlaub, zu billig. Auch da Neuber sich nicht zu schade ist für Clickbaiting, wie man es von Boulevardmagazinen kennt: in die Artikel eingebettete einminütige Kurzvideos zu trivialen Themen, die die Aufmerksamkeit der Leser binden sollen („Fünf Email-Hacks, die Du nicht kanntest“, „The craziest designs of the future“, „Fünf erstaunliche Verkehrsfakten“). Solche Beiträge, die mit Journalismus kaum etwas zu tun haben, wären beim alten Telepolis nicht denkbar gewesen.

Neuber ist stolz darauf, dass die Betriebskosten des Portals unter seiner Führung nun „zu über 50 Prozent gedeckt“ werden könnten, was „ein absolutes Novum in der fast 30-jährigen Geschichte dieses Mediums“ sei. Was er nicht erwähnt: Die niedrigen Honorare für die Autoren haben sich seit 20 Jahren nicht erhöht. Der wirtschaftliche Erfolg baut auf dem finanziellen Ausbluten der eigenen Mitarbeiter. Wie nachhaltig soll das sein? Es war eines der Motive, Multipolar zu gründen, dass wir als Herausgeberteam uns und allen unseren Autoren faire und auskömmliche Honorare zahlen wollten – und dies dank der stabilen Finanzierung durch unsere Leser tatsächlich auch können.

Freier Journalismus braucht Publikumsfinanzierung

Die Vielfalt der Unterstützer ist ein wesentlicher Unterschied zu Telepolis, das letztlich vor allem einem gefallen muss – dem Heise-Verlag und dessen Eigentümern. Es ist das Dilemma aller etablierten Medien. Ein freier, kritischer Journalismus findet immer dort seine Grenzen, wo der Eigentümer, dessen ökonomische Vorgaben oder die Werbekunden sie setzen. Daher bleibt die Leserfinanzierung das einzige Modell, freien Journalismus zu ermöglichen – nicht zu garantieren, aber eben die Grundlage zu schaffen, die sonst überall fehlt, von SPIEGEL bis Telepolis. Auch die Rundfunkgebühren sind eine solche Publikumsfinanzierung – wobei der kleine und feine Unterschied zu Multipolar bei ARD und ZDF die fehlende Freiwilligkeit der Zahlungen ist.

Neuber hat sicher recht darin, dass einige Medien im oppositionellen Bereich nicht ausreichend auf journalistische Standards achten. Doch diese Kritik verdienen auch viele etablierte Medien. Es ist ein allgemeines Problem der gesamten Branche.

Was seine konkreten Vorwürfe gegenüber Multipolar angeht, so sind diese weitgehend aus der Luft gegriffen. Multipolar hat sich „in einer ideologischen Echokammer isoliert“ und verzichtet damit „auf jede Möglichkeit, breitere gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen“? Die politischen Reaktionen auf unsere Veröffentlichung der RKI-Protokolle lassen eher anderes vermuten. Multipolar bedient „eine kleine, aber treue Anhängerschaft mit dem, was diese hören will“? Unsere Beiträge etwa zur Frage, ob das Coronavirus eine Biowaffe ist, führten in diesem Jahr zu wütendem Protest vieler Leser, inklusive Abonnementskündigungen. Auch ein Text zum Pandemievertrag stieß zuletzt auf Gegenwind bei vielen Lesern. Multipolar missachtet journalistische Standards? Dieser Vorwurf wird vom Telepolis-Chef ohne konkrete Belege vorgebracht.

Was bleibt, ist Neubers Unbehagen mit 9/11. In seinem Text geht er auch auf meinen letzten Artikel ein, der unter anderem den medialen Umgang mit einem Aspekt der Terroranschläge aufgreift. Neuber spricht von „angeblichen Ungereimtheiten“, an denen ich mich „abarbeite“. Er sieht darin eine befremdliche „Fixierung auf längst diskutierte Verschwörungsnarrative“. Längst diskutiert aber ist tatsächlich wenig von dem, was in dem Artikel steht, es sind im Gegenteil weitgehend unbekannte Informationen, deren Diskussion aber weiterhin erschwert wird, gerade auch durch Journalisten, die es besser wissen könnten.

Alles in allem scheinen die Vorwürfe des Telepolis-Chefs eher einer vorgefassten Meinung gegenüber kleinen oppositionellen Medien insgesamt zu entsprechen, von denen Neuber sich abzugrenzen versucht.

Unterordnung unter vermeintliche Autoritäten

Kritisch sehe ich beim Telepolis-Chef auch das Unterordnen unter vermeintliche journalistische Autoritäten wie etwa den Presserat. Dass dies zu Problemen führen kann, musste Neuber zuletzt selbst erfahren. Während er im Mai dieses Jahres in einem Text noch stolz hervorhob, dass der Presserat die eingegangenen Beschwerden gegen Telepolis in allen Fällen abgewiesen habe (Überschrift: „Telepolis überzeugt mit Sorgfalt und Transparenz“), berichtete er schon drei Monate später im August dann empört – nachdem die gleiche Instanz das Magazin dann überraschend doch einmal kritisiert hatte –, dass er mit dem Presserat künftig nicht mehr zusammenarbeiten wolle. Bitter konstatierte er: „Die gesamte Zusammenarbeit band nur Arbeitskraft, war inhaltlich aber sinnfrei. (…) Mit dem Presserat, so wie derzeit aufgestellt, ist keine seriöse, an der Sache orientierte Auseinandersetzung möglich.“

Bei Multipolar haben wir schon vor einiger Zeit entschieden, nicht die Selbstverpflichtung zu unterschreiben, die der Presserat gegen die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen anbietet – wie viele andere Medien es tun, auch um vor den Zugriffen der Landesmedienanstalten geschützt zu sein. Wir haben vielmehr kritisch über den Presserat berichtet und analysiert, wie dessen Entscheidungen immer wieder inkonsistent sind und in der Praxis meist einfach dem Mainstream folgen.

Das neue Telepolis ist auch stolz auf eine hohe Punktzahl in der Bewertung durch das US-Portal NewsGuard, eine andere vermeintliche journalistische Autorität, über deren Interessenkonflikte und politische Schlagrichtung Multipolar mehrfach berichtete.

Welche Art von Journalismus Zukunft hat, wird sich am Ende nicht an reinen Klickzahlen oder am Lob solcher Institutionen messen lassen. Vielleicht sind es eher die gründlich recherchierten, gut belegten Artikel, die etablierte Sichtweisen hinterfragen, als der gängige News-Journalismus, der möglichst viele, oft redundante Texte in kurzer Zeit bringt. Aus meiner Sicht geht es aber vor allem auch um Ehrlichkeit und um Respekt. Ehrlichkeit gegenüber den Lesern über das, was man als Journalist erreichen möchte und Respekt gegenüber den Vertretern anderer Positionen. Das wird nicht immer viele Klicks bringen, der Gesellschaft insgesamt aber sicher nützen – so bleibt zumindest zu hoffen.

Diskussion

14 Kommentare
CETZER, 15. August 2025, 15:35 UHR

"Man stelle sich vor, die FAZ würde heute ihre Titelseite mit neuen Theorien zum Reichstagsbrand füllen oder die Zeit würde sich schwerpunktmäßig mit dem Tonkin-Zwischenfall beschäftigen" [Aus Neubers Zurechtstutzung der Alternativmedien]

Früher, als ich sie regelmäßig las, war sowas ziemlich normal in italienischen Zeitungen (Strage di Ustica, anni di piombo, Gladio, Strategie der Spannung, Propaganda Due, Vatikanbank-Skandale...); Oft reichte z.B. der Tod eines der (vermeintlichen) Neben-Protagonisten eines 20-30 Jahre zurückliegenden Skandals und schon waren erfolgreich zwei Doppelseiten gefüllt... Natürlich gab es auch regelmäßig Leitartikel (+Leserbriefe), die endgültige Klärung und Befriedung forderten - Aber dann gab es doch wieder brandneueste Enthüllungen oder einen Frei- bzw Schuldspruch in vierter Instanz...

9/11 geht mir persönlich übrigens ziemlich 'auf den Keks'. Ob nun zu 130% so wie es die Konsens-Medien als absolute Wahrheit verkünden oder aber der Weltrekord in Sachen Groß-Verschwörung, es hätte im weiteren Lauf der Geschichte gar keinen so großen Unterschied gemacht. Man weiß doch sicher, dass mächtige Cliquen z.B. den Krieg gegen den Irak unbedingt wollten und sie hätten ihn so oder so gekriegt; Notfalls eben mit der Begründung Saddam Hussein würde mit Stars and Stripes bedrucktes Klopapier benützen.

Ansonsten sollte sich eine Werbe-Klitsche wie Telepolis weniger mit dem Berufsethos von Journalisten als mit dem von Koberern brüsten.

KARL REITTER, 16. August 2025, 09:20 UHR

Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass Neuber ein rigides Zensursystem nach und nach bei Telepolis durchsetzte. Ob wohl meine Postings sachlich, informativ und mit Links belegt waren, wurde ich permanent gesperrt. Natürlich ohne konkrete Begründung. Der Grund: Ich stellte das herrschende Klima-Narrativ mit Fakten und Daten infrage. Meine Postings wurden gesperrt, dann meine Accounts. Im Gegensatz dazu konnten unsachliche Pöbeleien gegen mich online bleiben. Ich habe mich von Telepolis verabschiedet und es nicht bereut.

GABRIEL MÜLLER-HUELSS, 16. August 2025, 09:50 UHR

Wäre es nicht vorstellbar, daß dieser Artikel Harald Neubers - unbewusst - eigentlich eher Selbstkritik, oder aber wenigstens den Versuch einer versteckten Rechtfertigung seines krassen Schwenks darstellt? Ich habe in Erinnerung, seine Artikel gerne und mit Gewinn gelesen zu haben. Als bekannt wurde, daß er Nachfolger von Florian Rötzer als Telepolis-Chefredakteur werden sollte, war ich in positiver Grundstimmung gespannt; was folgte, war dann eine riesige Enttäuschung.

Ich schätze mal, der Vertragstext für Neubers Anstellung unterscheidet sich sehr deutlich von dem zwischen Heise-Verlag und Rötzer. Obendrein gibt eine Festanstellung dauerhaft finanzielle Sicherheit. Ist es hier wie mutmaßlich bei den meisten deutschen Parlamentsabgeordneten, die ihr Gewissen, nach dem sie abzustimmen haben, bei Antritt des Mandats - an wen auch immer - verkaufen, wäre die Entwicklung verständlich. Verbleiben in versteckten Regionen des Gehirns dann doch noch Restskrupel, könnte damit möglicherweise ein solcher Artikel erklärbar sein.

CAROLIN NEUBAUER, 16. August 2025, 10:50 UHR

Klingt plausibel.

SE, 16. August 2025, 12:10 UHR

Hach, wieder ein Rhetoriker, der schafft, alles aufzuwiegeln. Bzw. korrekter formuliert: die Leute sich selbst wiegeln zu lassen. Können wir bitte mal nach 250 Jahren die KRITIK DER REINEN VERNUNFT endlich ernst nehmen?! Treffender / korrekter / kürzer könnte der Kant auch heute das eigentliche Problem nicht formulieren. Es geht einfach nicht klarer. Dennoch fallen immer wieder alle auf Meinung herein. Sehen sich gar frei, indem sie so etwas zusammenspinnen. Verwechseln Meinungsgerede und -kampf mit Diskurs. Meinen, Demokratie könne so passieren. Und nehmen sich so selbst gefangen in der Reinen Vernunft. (Ich halte mich jetzt wirklich hier raus - es ist ein Fehler, die Seite aufzumachen, generell "Medien")

AXEL R. KLEIN, 16. August 2025, 12:25 UHR

Sehr geehrter Herr Schreyer,

ist das nicht etwas zu viel der Ehre für Herrn Neuber? Sie haben doch sehr schön beschrieben, dass wir die nicht brauchen. Niemand bei Multipolar verfällt in dieses "Oberwelt/Unterwelt"-Geschwätz, wie es von Herrn van Rossum immer wieder zu hören ist, weil er seinen Ausschluss immer noch nicht verwunden hat. Selbst Prof. Meyen ist nicht mehr der Meinung, dass wir für die Teilhabe an der Gesellschaft regelmäßig längsgläubige Medien nutzen müssten. Wirft jemand bei mir diese Themen auf, oder bezieht sich auf eine bestimmte Sendung, so lasse ich mir erklären, was derjenige daran für relevant hält.

Wenn ich mich recht erinnere, war es im April 2020, dass Prof. Kuhbandner seine erste Maßnahmenkritik bei Telepolis äußerte. Dafür war ich damals dankbar, aber danach fiel mir die Orientierungsphase bei Telepolis eher als wachsweicher Versuch auf, niemandem auf die Füße zu treten. Oder es bestand Hoffnung von den damals in Rede stehenden 220 Mio € etwas abzubekommen? Diese Orientierungsphase ging bei den Nachdenkseiten zugunsten der Maßnahmenkritik aus, war aber bei der "Impfung" eher längsgläubig, bis auch Herr Berger das Märchen von der Verhütung schwerer Verläufe nicht mehr wiederholte.

Diese Wendung ist aus deren Texten so verschwunden wie die Transparente entlang der maßnahmenkritischen Versammlungen mit dem Text: "Wir impfen Euch alle". Diese Orientierungsphase gab's bei Multipolar und Rubikon nicht und das ist das Qualitätsmerkmal, deshalb verstehe ich, dass Herr Neuber neidisch ist. Aber, Herr Schreyer, was juckt es die Eiche?

Die Sache mit dem Presserat passt sehr gut ins Bild, da sich die Nachdenkseiten dem ja auch unterwerfen. Zudem verfielen die dann in die Rolle der BSW-Postille und dort pflegt man nach wie vor Berührungsängste zu Querdenken - Berührungsängste, die putzigerweise zu den erwiesenen Feinden des Grundgesetzes nicht bestehen. So wandelte sich meine Lektüre auch in diesen fünf Jahren, da viele vorgeblich alternative, aber eben nicht oppositionelle Portale, die maßnahmenkritisch waren und gute Artikel (Dr. Ziegler, Dr. Frank, Achgut) veröffentlichten, entweder mit der Ukraineberichterstattung, und/oder dann mit Israelhörigkeit oder Islamhass genauso wenig lesbar wurden, wie der alte Polit-Medien-Zirkus.

Selbst in meiner heutigen Auswahl ist der Effekt, die Interessen der russischen und chinesischen Rüstungsindustrie auszublenden verbreitet, wie auch der komische Knoten, die Pharmamafia zu erkennen, der Atommafia aber hinterher zu laufen. Meine Bitte an die Multipolar-Gemeinschaft: Machen Sie bitte weiter und ich freue mich auf das angekündigte Gespräch mit Dr. Wodarg zur Biowaffenthematik.

Schöne Grüße
Axel Klein

LISA MARIA LEWIN, 17. August 2025, 12:30 UHR

@Axel R. Klein: Ihrem Werturteil gegen Walter van Rossum widerspreche ich entschieden, und zwar wegen des Problems der Diskursfallen. Wenn Sie Multipolar schaden wollen, müssen sie nur weiter rufen wie hier: "Wir Fans von Multipolar sind uns als eine Meinungsblase selber genug!!". Das ist genau die Haltung, die die Gegner von Paul Schreyer brauchen. Die Kurzlogik dieses Teiles im Meinungskrieg geht so: Die Mehrheitsgesellschaft ist normal, ihre Abweichler sind nicht normal (spätestens beweisen ihre Minderwertigkeit, wenn sie renitent werden). Hier wird logisch gesehen die Meinungsfreiheit gegen Gedankenfreiheit ins Feld geführt. Als die Hauptwaffe. Dazu im ernst: Jede Schullehrerin muss mit diesem Dilemma seit Jahren klarkommen. Sie sollte sogar locker und humorvoll klarkommen, sonst leiden Schüler und Lehrer. Verbissenheit ist (fast) immer sozial selbstschädigend, Okay?

Und eben diesen Schaden kann ich bei Walter van Rossum jetzt wirklich nicht sehen. Für mich war es journalistische Meisterleistung, wie er sogar beim prekären Thema "Kopftuch und Islam" nicht jammerte, sondern im Gegenteil es fertig brachte, die extremsten Positionen in einem Gespräch bei Manova zusammen zu bringen (Link https://www.manova.news/artikel/kopftuch-und-emanzipation). Dort waren zwei gegnerische Frauen Pro-Islam und Kontra-Islam, und der zweite Mann neben van Rossum vertrat sogar die Sexlehre des schiitischen Islam, weil nämlich seine Glaubensschwestern nicht bereit waren, von Noch-Deutschen sexuell belehrt zu werden. Igitt und Auweia. Und all das, obwohl van Rossum noch ein "Mann" ist! (smiley). Obwohl das Thema Sex bei Wessis den Frauen gehört, oder?

Also meine Beobachtung in der Grundschule ist immer wieder: Mit Verbissenheit erobert man keine Herzen. Mit Bildung von Meinungsblasen (Bubbles in Jugendsprache) auch nicht. Außerdem kann die KI 100-fach schneller Meinungen produzieren als jede Bubble und 100.000-fach schneller als jede intellektuelle Endlosschleife im Namen von XY, Amen.

AXEL R. KLEIN, 18. August 2025, 16:20 UHR

Liebe Frau Lewin, vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt? Weder sehe ich Verbissenheit noch kann ich nachvollziehen, wie mein Kommentar Multipolar schaden könnte. Meine Empfehlung ist: Wir sollten aufhören, denen hinterherzulaufen und uns stattdessen u.a. über die von Ihnen geschilderte journalistische Qualität freuen. Die Replik von Herrn Schreyer beschäftigt sich für mein Empfinden zu sehr mit Herrn Neuber und seinem Reden, im Unterschied zu seinem Tun.

Die Demokratiebewegung hat noch nie die Kommunikation und den Austausch verweigert, das war immer der Weg derer, die ihre argumentative Schwäche versuchten zu verstecken. Es fehlt Selbstbewusstsein, wenn das Geschreibsel von Herrn Blome sofort wieder durch unserem Blätterwald rauscht. Der gewinnt dann die Klickzahlen aus dem kritischen Lager, die er nicht verdient.

Schöne Grüße
Axel Klein

SONJA PASCH, 17. August 2025, 09:20 UHR

Ich kann den anderen Kommentatoren nur zustimmen: das Multipolar-Magazin zeichnet sich vom ersten Tag seines Bestehens an durch hervorragende faktenbasierte, ebenso unbestechliche wie unerschrockene Recherche- und Aufklärungsarbeit aus, die (anders als viele „Mainstream-„, aber auch nicht wenige „Alternativmedien“) zu keinem Zeitpunkt Abstriche gegenüber der Kantischen Forderung nach eigenständiger Urteilsbildung macht. Diese vollkommene Unkorrumpierbarkeit bei gleichzeitig herausragendem Informationsniveau und einem konsequent sachorientierten, präzisen Sprachduktus, macht Multipolar seit fünf Jahren für mich zu einem Fels des hochkarätigen Journalismus‘ inmitten einer täglich erdrückender werdenden Flut von Propaganda und medialer Desorientierung.

Neben den scharfsinnigen Leitartikeln beleuchtet die Spalte "Empfehlungen" wesentliche aktuelle Themen aus – eben: multipolare - Blickwinkel und ermöglicht so dem Leser, wiederum im besten Kantischen Sinne, nicht nur die eigene Urteilsbildung, sondern dokumentiert dabei auch, wie es führende Medien in Zeiten wachsender politischer Repression und Zensur der freien Rede mit Wahrheit oder Opportunität halten.

Die "Meldungen" schließlich sind äußerst gehaltvolle Informations-Komprimate, die zur Weiterverbreitung zur Verfügung gestellt werden und geeignet sind, auch bislang unkritische Geister ins Nachdenken zu bringen. Und die engagierte Klage auf Herausgabe und Entschwärzung der RKI-Protokolle, mit der m.E. auch das folgende Leak provoziert wurde, war eine historische Leistung, die die eklatant fehlende wissenschaftliche Fundiertheit der gesamten Corona-Politik glasklar für die Mit- und Nachwelt dokumentiert – für jeden, der bereit ist, sich mit der bedrückenden Wahrheit zu konfrontieren. Mit einer „Echokammer“ hat diese journalistische Leistung wahrlich nichts zu tun, so wenig, wie all die anderen Beiträge.

Das Multipolar-Magazin setzt der Gegenaufklärung, die mittlerweile geradezu Orwell’sche Ausmaße angenommen hat, sein unerschütterliches „Sapere aude!“ entgegen – zum Nutzen der Zivilgesellschaft, denn nur auf der Basis umfassender Erkenntnisse (und seien sie noch so schmerzhaft oder schockierend) können wir die immensen Herausforderungen der Zukunft meistern. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, sagt Ingeborg Bachmann. Und auch Kant wußte, dass es bei der Wahrheitsfindung („aude!“) zentral um Mut geht.

Liebes Multipolar-Team, halten Sie weiter Kurs! Wir brauchen Ihren couragierten Journalismus so essentiell wie das tägliche Brot!

CAROLIN NEUBAUER, 17. August 2025, 11:20 UHR

Hat nicht jedes Medium hauptsächlich in der eigenen Filterblase Wirkmacht? Wir leben alle in Blasen. Die der Mainstream-Medien ist aktuell noch größer, aber da wird auch nur in einer begrenzten Reichweite gewirkt. Ich fühle mich jedenfalls von Spiegel & Co. ziemlich unberührt.

Vielleicht ist es okay, dass Telepolis in seichtere Gewässer abgewandert ist. Und nun ein bisschen wie die Berliner Zeitung geworden ist: Nicht Fisch, nicht Fleisch. Solche Blätter haben auch ihren Zweck in diesen verrückten Zeiten.

Wir sind so großen Veränderungen unterworfen. Wer weiß, was bald als nächstes Groß- oder Kleinereignis um die Ecke kommt und was das dann wieder bewirkt. Ich bin froh, dass Corona passiert ist. Sonst wäre ich nie auf Multipolar gestoßen. Und ohne Euch hätte ich diese Zeit nie durchgestanden.

Erwähnenswert finde ich eine schöne Entwicklung in der Medienlandschaft der letzten Wochen: die Entstehung von Connections.news. Mal mit ordentlich Frauenpower dahinter.

In diesem Sinne: Ahoi!

JÖRG G, 19. August 2025, 09:10 UHR

„Die der Mainstream-Medien ist aktuell noch größer, aber da wird auch nur in einer begrenzten Reichweite gewirkt.“

Dazu würde ich gerne meinen Senf abgeben, abseits der obigen Diskussion. Die Reichweite von FAZ, Zeit, Spiegel usw. ist zwar sehr begrenzt. Allerdings halten sich diese Medien den politisch relevanten Leserkreis: Politiker, Beamte, Akademiker, Manager usw. haben einen so ausgefüllten Alltag, dass sie sich die Zeit für kritische Informationsbeschaffung nicht leisten können/wollen. Daher lesen sie dann kurzerhand die „verbleibenden Qualitätsmedien“ und sind stolz auf ihre Informiertheit. Die relevanten wirkmächtigen Entscheider in diesem Land sind die begrenzte Leserschaft dieser Medien – und genau aus diesem Grund werden diese auch vom Staat subventioniert. Diese Medien haben faktisch die meiste politische Macht in diesem Land, weil das Weltbild der Entscheidungsmächtigen von ihnen übernommen wird. Daher finde ich es richtig und wichtig, sich nach wie vor an diesen Medien „abzuarbeiten“.

CAROLIN NEUBAUER, 20. August 2025, 16:10 UHR

Ja, auf jeden Fall! Zum Glück gibt es an den Rändern der Blasen oder in den Überlappungsbereichen ja eben doch Wirkmacht. Vor allem, wenn es um so solide Berichterstattung wie hier bei Multipolar geht. Aber für einen kompletten Blasen-Hopser braucht es wahrscheinlich äußere Ereignisse oder hautnahe Erfahrungen.

HEINO PICK, 19. August 2025, 15:15 UHR

Sehr geehrter Herr Schreyer,
ich habe Ihren Artikel von Anfang bis Ende sehr gerne gelesen und finde die Art Ihrer Replik einfach großartig: fein, fair, respektvoll und bei fairer Kritik auch irgendwie friedvoll – wohltuend gerade zur gegenwärtigen Zeit.
Mit herzlichen Grüßen
Heino Pick

GUTEN MUTES, 29. August 2025, 01:55 UHR

Ich kann mich nur anschließen. Die Replik ist sehr fair und respektvoll und Multipolar ganz anders als Telepolis es darstellt: Hier finde ich wichtige Themen der Gegenwart beleuchtet und äußerst solide und sorgfältig recherchierte Artikel. Multipolar ist nicht gefällig, sondern sehr mutig. Ich bin auch traurig, wenn Zeitungskulturen wie jene von Herrn Rötzer verschwinden und Menschen sich derart von ihrer eigenen Historie distanzieren, überhaupt über all diese Distanziererei nach immer gleichem Muster: Man rückt einfach eine Person, eine Institution, ein Magazin öffentlich in eine bestimmte Ecke und schreibt ihm Bedeutungslosigkeit zu... um klar zu stellen, wo es langgeht...Ich wünsche Herrn Neuber und uns allen wieder mehr Vielfalt und Luft zum Atmen!

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